Am Samstag wurde auf einer Kampfabstimmung beim Bundesparteitag der Freien Demokratischen Partei (FDP) das Parteiurgestein Wolfgang Kubicki (74) mit knapp 60% der Stimmen zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Er setzt sich damit klar gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann (68) vom linksliberalen Flügel der Partei durch.
Nach dem Rückzug eines Mittbewerbers vor zwei Wochen sah es so aus, dass Kubicki der einzige Kandidat sein würde. Die Mitbewerberin hatte direkt auf dem Parteitag im Berliner Estrel Hotel ihre Kandidatur bekanntgemacht und für eine kräftige Überraschung gesorgt. Erinnerungen an den berühmt-berüchtigten Mannheimer Parteitag der deutschen Sozialdemokraten im November 1995 wurden wach, wo ein Überraschungskandidat namens Oskar Lafontaine kam, sprach und siegte. Doch so weit kam es bei den Liberalen nicht: Wolfgang Kubicki erhielt 390 Stimmen, die Konkurrentin 259, immerhin ein Achtungserfolg.
Die lange Zeit zum Tafelsilber der alten Bundesrepublik geltende, einst stolze FDP musste in der letzten Zeit einige Krisen durchmachen. Wurde sie noch in einem bis 1983 geltenden Dreiparteiensystem als „Zünglein an der Waage“ gebraucht und galt als Königsmacherin, die mal mit der CDU/CSU, mal mit der SPD koalierte, schwand ihre Bedeutung mit dem Aufkommen von Grünen, PDS (später Linkspartei) und vor allem der Alternative für Deutschland (AfD). Sie wurde von den achtziger und neunziger Jahren bis weit hinein in die 2000-er Jahre als Teil des bürgerlichen Lagers aufgefasst und stand in vielen Fragen meist rechts von CDU/CSU. Doch ihre Mitwirkung an der unbeliebten Ampelregierung gab ihr den Garaus. Bei den Wahlen 2025 flog sie mit 4,3% aus dem Deutschen Bundestag. Damit ist sie nach der Zeit von 2013 bis 2017 schon wieder zur außerparlamentarischen Opposition geworden, eine gefährliche Tendenz.
Die letzte Patrone der FDP
Nach den letzten Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg konnte sie nicht in die Parlamente ihrer einst als Stammländer gehandelten südwestdeutschen Bundesländer einziehen, der Parteivorsitzende Dürr konnte sich mit diesen schlechten Ergebnissen kaum halten. Die Partei ist nur noch in sieben Ländern eine parlamentarische Kraft und lediglich in Sachsen-Anhalt regiert sie. Doch genau dort schöpft die Partei angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen vom 6. September nun Hoffnung, Wolfgang Kubicki gilt als Favorit der ostdeutschen Landesverbände. Seine klaren und prägnanten Aussagen könnten für einen echten Neuanfang sorgen und den dortigen Wahlkampf aufpeppen.
In der Tat hätte die FDP auf der linksliberalen Seite wenig Meriten zu holen; zu groß ist der Andrang bei Linkspartei, Grünen, SPD und einer nach links rückenden CDU. In diese Reihe wollte die gescheiterte Strack-Zimmermann die Liberalen stellen. Auf der rechten Seite des politischen Spektrums wiederum zieren sich viele bürgerliche Wähler, die manchmal ein wenig zu robust rüberkommende AfD zu wählen. Aus diesem Grunde könnte sich die FDP zu einer echten „Alternative zur Alternative“ mausern. Denn die Repräsentationslücke ist im bürgerlichen Lager nach wie vor mit Händen zu greifen. Kubicki sorgte schon für einen einprägsamen Slogan, er wolle eine „Alternative zur Volksfront“ (gemeint waren Linkspartei, Grüne, SPD und Union) und „völkischer Front“ (damit meinte er die AfD) bilden. Wolfgang Kubicki ist somit die letzte Chance der FDP, fast schon die letzte Patrone. Sollte er die in Umfragen unter der 5%-Hürde dümpelnde einstige Erfolgspartei über die Zielgerade in Magdeburg führen, dürfte er sich als unbestechlicher Don Quijote einen Namen machen und Kritiker verstummen lassen. Andernfalls aber droht ein schleichender Niedergang der FDP.