Péter Magyar, Vorsitzender der Tisza-Partei, hat am Nationalfeiertag in Pannonhalma das „St. Stephan-Programm“ vorgestellt. Dieses Programm umfasst zehn Punkte, die auf eine langfristige Entwicklung Ungarns abzielen und über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten wirken sollen. Magyar betont damit, dass Ungarn Gesetzesordnung, emsiges Schaffen und Würde benötige, um stark zu bleiben. Er kritisiert die aktuelle Situation: „Heute schwindet unsere Bevölkerung, es leeren sich die Dörfer und die Wartelisten (im Gesundheitssystem) sind lang. Das Bildungswesen ist nur noch Mittelmaß, Wasser im Überfluss weicht der Dürre, die Luft wird mit Giften verpestet.“ Die Umsetzung des Programms solle transparent erfolgen, mit vierteljährlichen Berichten. Magyar fasst zusammen: „Nur wenn unsere zehn Punkte Realität werden, gelangt das Land aus dem Überlebensmodus, nur dann wird Ungarn neben seiner großen Geschichte auch eine Zukunft in Europa haben.“
Die zehn Punkte lauten wie folgt:
- Bis 2035 den Bevölkerungsschwund stoppen; bis 2050 soll Ungarn wieder mehr als 10 Millionen Einwohner zählen.
- Bis 2035 die Lebenserwartung bei der Geburt auf mindestens 80 Jahre steigern.
- Bis 2030 die Massen-Emigration der Ungarn stoppen.
- Gemeinden Fördermittel in Höhe von jeweils 1 Milliarde Forint pro zehn Dörfer zuweisen, über die sie mit lokalen Programmen selbst verfügen können.
- Jede Region mit einem „Super-Krankenhaus“ ausstatten.
- Das Bildungswesen wieder zum Maßstab in Mitteleuropa machen.
- Bis 2035 die russische Energieabhängigkeit beenden und den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2040 verdoppeln, um „die wahre nationale Souveränität“ zu sichern.
- Bekämpfung der Dürre, Schutz von Theiß und Donau sowie de Schaffung von Stauseen und Überschwemmungsgebieten. Modernisierung der Bewässerungstechnik und Steigerung der Rückhaltefähigkeit der Böden.
- Bis 2030 soll die Luftverschmutzung in 95 Prozent der Zeit unter den Gesundheitsgrenzwert gesenkt werden – saubere Busse in den Städten, moderne Heizungen auf dem Land, Energieeffizienzprogramme für alte Häuser.
- Die Freiheit, Unabhängigkeit, Befugnisse und Ressourcen der Kommunalverwaltungen sollen wieder hergestellt werden.
Dieses Programm präsentiert Magyar im Kontext einer umfassenden Wahlkampftour, die im Sommer 2025 begonnen hat. Die 80-tägige Reise durch Ungarn soll am 23. Oktober 2025, dem Jahrestag der Revolution von 1956, enden. Ziel ist es, Unterstützung in ländlichen Regionen zu gewinnen, die traditionell von Fidesz dominiert werden. In Gran/Esztergom sprach Magyar über die Rolle der ungarndeutschen Gemeinschaft und anderer Minderheiten, die er stärker im Parlament und im öffentlichen Leben repräsentiert sehen möchte. Er verwies auf seine eigene „schwäbisch-ungarische“ Identität und forderte Reformen im Wahlrecht für Minderheiten, um die Stimmabgabe anonymer und gerechter zu gestalten. Magyar bemüht sich im Wahlkampf um ein pro-europäisches und konservatives Image. Der ehemalige Fidesz-Mann greift dabei einen Großteil der traditionellen und beliebten Programmpunkte der Fidesz auf und versucht, diesen ein neues Gewand zu verleihen. Es bleibt abzuwarten, ob dies die Wähler überzeugt – oder ob sie am Ende doch lieber das Original wählen.