Der 20. August markiert in Ungarn nicht nur den Tag des Heiligen Stephan und den mit seinem Namen verknüpften Staatsfeiertag, sondern auch das allmähliche Ende der Sommerferien. Das Land kommt zurück, meist begleitet von einem Donnerwetter, das für Abkühlung und Ernüchterung sorgt.

 

Traditionell wird der Staatsfeiertag als Gründungstag des ungarischen Staates begangen. Vor 1026 Jahren in der Mitte Europas ins Leben gerufen, ist der ungarische Staat einer der ältesten in ganz Europa. Die Ungarn sind darauf sehr stolz und so begehen sie auch diesen großen Geburtstag: Am Morgen werden Offiziere vereidigt, das Parlament macht seine Pforten auf, es gibt ein dreitätiges großes Programm in vielen Städten, abends fast überall ein Feuerwerk, das ganz große Feuerwerk natürlich in der Kapitale. Auch heuer wurde kräftig gefeiert, eine interaktive Lichtshow stelle die wichtigsten Momente der ungarischen Staatlichkeit dar.

Wenn der Feiertag auf einen Dienstag oder Donnerstag fällt, wird der Brückentag – dies Mal der Freitag – freigegeben und an einem Samstag davor oder danach abgearbeitet. Damit haben die Ungarn rund um den Tag des Heiligen Stephan vier freie Tage. Die meisten Familien verbringen zusammen, es kommt zu Begegnungen von Freunden, Verwandten, viele Auslandsungarn reisen ins Mutterland. Ein großer Teil des Landes ist am Balaton, doch viele fahren eigens in die Hauptstadt, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Diese langen Tage sind zugleich auch die letzten entspannten Sommertage. Die letzte Woche im August wird dann für die Vorbereitungen rund um den Schulanfang am 1. September genutzt, Lehrmaterialien besorgt, Kinder in Nachmittagskurse und Sportaktivitäten eingeschrieben, das Arbeitsjahr geplant, die Belegschaften zusammengerufen.

Ein großes kräftiges Gewitter – dies Jahr am 21. August – macht diesen Bruch mit einer radikalen Abkühlung für jeden sichtbar. Jetzt ist es nicht mehr so heiß, die Hundstage sind vorbei. Fast schon gespenstisch genau ereignet sich dieser große Wolkenbruch immer am oder um den 20. August – dieses Jahr harrten nach langen Dürrewochen viele dieser willkommenen Abkühlung und dem Regen. Es gibt Hoffnung, dass sich das Niedrigwasser der Donau hebt und das Atomkraftwerk Paks wieder mit voller Kapazität arbeiten kann.

Dieses Jahr fällt das Ende der sommerlich-unbeschwerten Tage und die heftige Abkühlung mit dem Ende der Flitterwochen der neuen Regierung zusammen. 100 Tage ist die Regierung von Péter Magyar am 19. August im Amt. Damit enden die hoffnungsvoll-leichten Tage der neuen Amtsinhaber und mit Blick auf den Herbst stehen nun konkrete Sachentscheidungen an, die Menschen versprechen sich einige Ergebnisse und eine Hebung des Lebensstandards. Die Regierungspartei führt immer noch in den Umfragen, doch ein erster Knick ist zu verzeichnen.

Seit dem 19. August hat Ungarn auch ein neues Staatsoberhaupt. Der 73-jährige András Baka wurde von der neuen Regierungsmehrheit gewählt, auch dies ist ein neuer Anfang. Er versprach in seiner Rede eine ausgleichende Politik. Er selbst wurde von der Regierung Orbán als Gerichtshofpräsident illegal abgesetzt, jetzt ist die neue Regierung daran, diesen Imageschaden zu reparieren. Auch davon handelt das Fegefeuer der neuen Machthaber. Dafür musste der bisherige Amtsinhaber Tamás Sulyok auf ähnlich zweifelhafte Weise gehen, der Neue wird von der Opposition nicht anerkannt. Der Neuanfang in Ungarn hat also viele Facetten – politischen Streit miteingeschlossen. Die Analyse der ersten 100 Tage steht nun an. Es bleibt spannend.