Das Deutsch-Ungarische Institut für Europäische Zusammenarbeit organisierte am MCC Bildungszentrum in Kaposvár eine Veranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion mit dem Titel „Alte Eliten und systemkritische Parteien, die Schlacht politischer Formationen in Deutschland“, auf der der deutsche Historiker Dr. Desiderius Meier vor etwa 50 interessierten Gästen einen Vortrag hielt.
Die Veranstaltung wurde von Krisztián Erdei, dem Leiter des MCC Zentrums ins Kaposvár eröffnet. Als besonderes Highlight des Programms sang ein lokaler Chor in traditionellen Trachten deutsche Volkslieder. Danach gab Historiker Dr. Desiderius Meier einen Einblick in die Funktionsweise des deutschen politischen Systems und seine Ausgrenzungspraktiken und hob hervor, dass der Ausschluss der politischen Gegner in Deutschland keine neue Erscheinung ist. Er wies darauf hin, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg falsch interpretierten moralischen Grundhaltungen bis heute wirksame Muster geprägt hätten, die seiner Meinung nach auch im heutigen öffentlichen Leben – unter anderem in der Beurteilung der ungarischen Regierung – zu beobachten seien. In seinem Vortrag ging Meier auch auf die politische Brandmauer um die Alternative für Deutschland (AfD) ein und betonte, dass die Ausgrenzung der oft als rechtsradikal bezeichneten Partei aus Politik und Medien keine neue Erscheinung ist, obwohl die AfD momentan die stärkste Oppositionskraft in Deutschland sei. Er skizzierte auch den Widerspruch, dass während der AfD häufig vorgeworfen wird, die demokratischen Spielregeln nicht einzuhalten, die Partei – nach eigener Beurteilung – in zahlreichen Bereichen systematische Diskrimination erfährt. Meier stellte anhand historischer Beispiele die Vorgeschichte dieser Praxis dar und führte das Publikum durch relevante Episoden der modernen deutschen Geschichte.
Die danachfolgene Podiumsdiskussion wurde vom Politologen, Autor und Publizist Dr. Alexander Eiber moderiert. Seine Fragen bezogen sich auf die Herausforderungen des heutigen deutschen Parteiensystems, Radikalisierungsprozesse und den Vergleich der AfD mit der österreichischen FPÖ. Aus dem Publikum kamen zahlreiche Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, zum politischen Erbe von Angela Merkel, zur Zukunft der Europäischen Union und zur Einschätzung der ungarischen Regierung in Deutschland. Die Referenten betonten, dass belehrende Kritik im internationalen politischen Raum selten konstruktiv sei. Während ihres Aufenthalts in Kaposvár besuchten die deutschen Gäste das lokale Zentrum des MCC, nahmen an einer Stadtführung teil und erhielten einen Einblick hinter die Kulissen des berühmten Csiky Gergely Theaters.