Am 29. Oktober 2025 fand im Hauptsitz des Mathias Corvinus Collegium (MCC) in Budapest die Veranstaltung mit dem Titel „Gesprengte Atomkraftwerke – Der Mann, der die Lügen der deutschen Regierung über die Atomenergie aufdeckte“ statt. Die rund sechzigköpfige Veranstaltung war der zweite Teil der „Scoop“-Vortragsreihe der MCC Medienschule, an deren Organisation diesmal auch das Deutsch-Ungarische Institut für Europäische Zusammenarbeit mitwirkte. Das Gespräch wurde von Boris Kálnoky, dem Leiter der MCC Medienschule, moderiert. Gast des Abends war der Investigativjournalist Daniel Gräber, stellvertretender Chefredakteur von Apollo News. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Bence Bauer, Institutsleiter des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit am MCC, der in seiner Begrüßung die widersprüchliche Natur der deutschen energiepolitischen Wende hervorhob – eines Themas, das im Laufe des Abends besonders im Mittelpunkt stand.

Zu Beginn wurde Daniel Gräber nach seinen persönlichen Beweggründen und dem Beginn seiner Laufbahn gefragt. Er erklärte, dass er gerne recherchiere und schreibe, doch der Unterschied zwischen Schriftstellern und Journalisten bestehe darin, dass Letztere das Schreiben als Werkzeug zur Aufdeckung und Vermittlung der Wahrheit nutzen. Seine journalistische Laufbahn begann er bei einer Lokalzeitung in Frankfurt am Main, wo er über verschiedene lokale Themen berichtete. Eines Tages landete ein anonymer Brief auf seinem Schreibtisch – der Auslöser eines großen Skandals, der Gräber schließlich auf den Weg des Investigativjournalismus brachte. In diesem Fall deckte er Korruptionsverflechtungen rund um die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt (AWO) und deren Mittel für Flüchtlingsunterkünfte auf. Er schilderte auch, wie sich um ihn herum immer mehr Informanten meldeten, was schließlich dazu führte, dass der damalige Frankfurter Oberbürgermeister zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Bundesweite Bekanntheit erlangte Gräber schließlich mit seiner Recherche zum deutschen Atomausstieg, die er für das Magazin Cicero veröffentlichte. Er folgte dabei, wie er sagte, seinem Instinkt, da er das Gefühl hatte, dass die von der damaligen Bundesregierung (SPD–FDP–Grüne) vorgebrachten offiziellen wirtschaftlich-technischen Begründungen für die Abschaltung der Atomkraftwerke nicht stimmten. Nach langwierigen Gerichtsverfahren – und sogar unter Observation durch einen Privatdetektiv – konnte Gräber anhand interner E-Mails und Dokumente aufdecken, dass die sogenannte Ampel-Koalition unter dem Druck der Grünen die Informationsflüsse so manipulierte, dass die Gutachten, die für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sprachen, den damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gar nicht erst erreichten. Stattdessen wurden ausschließlich jene Stellungnahmen berücksichtigt, die in das grüne Narrativ passten. So fiel letztlich die Entscheidung, die Atomkraftwerke stillzulegen – und das just parallel zum Ausbruch des russisch-ukrainischen Krieges, der die Energiepreise drastisch ansteigen ließ. All dies beschreibt Gräber ausführlich in seinem kürzlich erschienenen Buch „Akte Atomausstieg“.

Zum Schluss zog der Publizist eine Parallele zum Märchen Des Kaisers neue Kleider: Auch dort braucht es jemanden, der die Wahrheit ausspricht – etwas, das alle spüren, sich aber niemand zu sagen traut. Abschließend sprach Daniel Gräber darüber, warum man in Deutschland heute so selten offen die Wahrheit ausspricht. Wer eine Meinung vertritt, die nicht in den Mainstream passt, werde von den linken Medien als Atomlobbyist oder AfD-nah diffamiert. Hinzu kämen sogenannte Meldestellen, die sich zunehmend zu einem Instrument der Einschüchterung entwickelten – dort könnten Bürger einander, auch Journalisten, anzeigen. All dies, so Gräber, sei ein Beleg dafür, dass die Meinungs- und Redefreiheit im heutigen Deutschland im Niedergang begriffen sei.