Am 24. Februar 2026 fand am MCC-Bildungszentrum in Pécs vor 40 Gästen ein Vortrag von Dr. Lasse Lassen, Junior Visiting Fellow des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit und Habilitand am Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, statt. Das Hauptthema seines Vortrags war die Geschichte der Ungarn und Kubaner, die vor dem Kommunismus in die USA geflohen waren. Im Anschluss wurde die Podiumsdiskussion von Tristan Csaplár, Forschungskoordinator des Deutsch-Ungarischen Instituts, moderiert.
Der Vortrag stellte die Geschichte der Ungarn und Kubaner vor, die in den 1950er und 1960er Jahren vor der kommunistischen Unterdrückung flohen, und skizzierte die Gründe, Hintergründe und Folgen dieser Flucht. Er ging auf den historischen Hintergrund der beiden Länder, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die Nachwirkungen der Auswanderungen und die weitere Entwicklung der sich niedergelassenen Gemeinschaften bis zum heutigen Tag ein.
Im Falle Ungarns ist auf jeden Fall die Auswanderung in die USA nach dem Freiheitskampf von 1848-49 zu erwähnen, etwa 700.000 Ungarn entschieden sich, sich in der Neuen Welt niederzulassen. Die ersten Gemeinschaften entstanden mit dieser Auswanderungswelle in den 1850er Jahren vor allem in Ohio, insbesondere in Cleveland. Als Folge der revolutionären Ereignisse von 1956, der Invasion sowjetischer Truppen und der Repressionen des kommunistischen Regimes kann man bereits von einer Emigration aus politischen Gründen sprechen. Nach dem Scheitern der Revolution verließen fast 200.000 Menschen Ungarn. Diese Auswanderungswelle war eine der größten Auswanderungswellen in der ungarischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die ausgewanderten Ungarn gründeten Vereine, um ihre Sprache und Kultur zu bewahren. Die Flüchtlinge von 1956 spielten eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der amerikanisch-ungarischen Beziehungen.
In seinem Vortrag zog Dr. Lassen Parallelen zwischen der ungarischen Auswanderung und einer anderen bedeutenden Emigration in die USA; der kubanischen Auswanderung. Die ersten kubanischen Auswanderer flohen Ende des 19. Jahrhunderts gezielt nach Florida, ließen sich hauptsächlich in Key West und Tampa nieder und beschäftigten sich mit der Gründung von Zigarrenfabriken. Die bedeutendste Persönlichkeit der kubanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, José Marti, Dichter, Schriftsteller und Freiheitskämpfer, der als geistiger Vater der kubanischen Unabhängigkeit gilt, setzte sich offen für die Interessen Kubas ein und fiel schließlich 1895 beim Ausbruch der kubanischen Revolution. Der kubanische Freiheitskampf löste eine bedeutende Migrationswelle in die USA aus, wobei es sich bei den Auswanderern in erster Linie um politische Flüchtlinge handelte, die vor den gewaltsamen Repressalien nach Florida flohen. Eine der größten Flüchtlingswellen begann in den 1960er Jahren nach der Machtübernahme durch Fidel Castro, Hauptziel der Emigration war auch diesmal das nächstgelegene Key West in Florida. Zu dieser Zeit verließ die kubanische intellektuelle Mittelschicht (ca. 250.000 Kubaner) das Land.
Im Anschluss an den Vortrag sprachen Csaplár und Lassen über die aktuelle Situation kubanischer und ungarischer Emigranten in den Vereinigten Staaten. Die Motive für die Auswanderung waren im letzten Jahrhundert für beide Nationen unterschiedlich: während die Kubaner in erster Linie wirtschaftliche und politische Flüchtlinge waren, flohen die Ungarn nach der Revolution. Heute leben etwa 1,4 Millionen ungarischer und etwa 2,5 Millionen Menschen kubanischer Herkunft in den USA.