Am Abend des 25. Februar 2026 fand im Hauptgebäude des MCC in Budapest ein Vortrag und Podiumsdiskussion mit Gernot Blümel, ehemaliger österreichischer Finanz- und Kanzleramtsminister (ÖVP) und Geschäftsführer des auf künstliche Intelligenz spezialisierten Unternehmens Mare TechnoPark, statt. Die Veranstaltung, an der mehr als 70 Gäste teilnahmen, wurde von Dr. Bence Bauer, Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit, eröffnet.  In seiner Rede hob er die rasante Verbreitung künstlicher Intelligenz in unserem Alltag sowie die damit verbundenen drängenden ethischen, rechtlichen, wissenschaftlichen und politischen Fragen hervor. Die Podiumsdiskussion im Anschluss an den Vortrag wurde von Dr. Lasse Lassen, Postdoktorand am Lehrstuhl für Neuere Geschichte der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Visiting Fellow am Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit, moderiert.

 

In seiner Eröffnungsrede skizzierte Blümel die Details der Konzeption und Umsetzung des MARE-Projekts. Das Projekt, das in unmittelbarer Nähe des historischen Zentrums von Venedig realisiert wird, soll nach Abschluss der im März 2026 beginnenden Bauarbeiten zum führenden medizinischen Innovationszentrum des Kontinents werden, welches die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz (KI) aktiv und intensiv nutzt. Nach der Vorstellung der Möglichkeiten, die in der Entwicklung stecken, befasste sich Blümel mit der Frage nach der komplexen Beziehung zwischen Mensch, Gesellschaft und KI. Was genau verstehen wir unter dem Begriff Intelligenz? Wo beginnen die Grenzen des bewussten Verstehens und des erlernten Wissens? Wann können wir davon sprechen, dass etwas über Selbstbewusstsein verfügt, sofern wir überhaupt in der Lage sind, die Begriffe Bewusstsein und Existenz genau zu definieren? All dies sind Fragen, die – obwohl sie bereits seit der Antike in den Werken prominenter Denker auftauchen – im Zusammenhang mit der KI, die großes gesellschaftliches Interesse hervorruft, in exponiertem Maße und in neuer Bedeutung wieder auftauchen.

Ob es uns gefällt oder nicht, wir müssen akzeptieren, dass KI mittlerweile Teil unseres Alltags geworden ist. Sie beeinflusst, wie wir arbeiten, kommunizieren und Entscheidungen treffen. Parallel zum rasanten technologischen Fortschritt werden jedoch auch Fragen der Verantwortung, der Kontrolle, der sozialen Folgen und der menschlichen Existenz immer dringlicher, argumentierte Blümel. Seiner Ansicht nach müssen wir bei der Einstellung zur KI und der Abgrenzung zwischen Mensch und Maschine grundsätzlich zwischen zwei Hauptthesen wählen. Entweder argumentieren wir unter Berufung auf unser christliches Menschenbild aus theologischer Sicht für unsere eigene Überlegenheit, da Gott nach den Lehren der Bibel den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, oder wir gehen, geleitet von einem elitären Überlegenheitsbewusstsein, einfach von der Grundannahme aus, dass Menschen gegenüber Maschinen stets Vorrang haben.

In der anschließenden offenen Diskussion wurden viele weitere Fragen zu den komplexen Auswirkungen der KI auf unsere Gesellschaft angesprochen. In den letzten hundert Jahren hat sich der Arbeitsmarkt enorm verändert. Mit dem technologischen Fortschritt sind viele früher angesehene Berufe verschwunden, während andere, früher unvorstellbare Tätigkeiten zu wichtigen Marktfaktoren geworden sind. Man denke nur an die Zehntausenden von Menschen, die direkt oder indirekt im Profisport beschäftigt sind, was noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wäre. Aus diesem Grund müssen wir nicht befürchten, dass durch den Vormarsch der KI in naher Zukunft Massen von Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Der Markt wird sich verändern, aber Arbeitnehmer werden weiterhin gebraucht werden, betonte Blümel.

Gleichzeitig gewinnt in der Ära der KI der Wert der „Marke” des Einzelnen außerordentlich an Bedeutung. Mit der massenhaften Nutzung von KI wird die Erstellung guter Inhalte keine besonderen Schwierigkeiten mehr bereiten, sodass sich unter den qualitativ hochwertigen Anbietern von Dumping-Inhalten nur diejenigen hervorheben können, die mit etwas Einzigartigem und Besonderem die Aufmerksamkeit auf sich lenken und diese dann auch aufrechterhalten können. Auf Fragen aus dem Publikum antwortete Blümel, dass es schwierig sei zu definieren, ob man im Falle der KI tatsächlich von bewusstem Handeln sprechen könne.