Zahlreiche Gäste und Studenten versammelten sich am 11. Februar 2026 im Scruton Café, um den Vortrag von Dr. Lasse Lassen, Habilitand am Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, sowie Visiting Fellow am Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit, zu hören. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Tamás Fonay, Projektleiter des Deutsch-Ungarischen Instituts, der die Relevanz einer tiefgehenden Untersuchung der ideologischen Wandlung von Otto von Habsburg hervorhob – wie er sich von einem jungen Erwachsenen, der monarchistisch eingestellt und ausschließlich nach Westen orientiert war, zu einem christlich-konservativen Politiker entwickelte, dem die Freiheit der Staaten der mittelosteuropäischen Region zu einer echten Herzensangelegenheit wurde. Die an den Vortrag anschließende Podiumsdiskussion wurde von Bence Kocsev, Mitarbeiter der Otto von Habsburg Stiftung moderiert.

Der Abend zeichnete den Weg Otto von Habsburgs vom Erben einer untergehenden Monarchie hin zu einem der bedeutendsten Vordenker der europäischen Einigung nach – und spannte damit einen weiten historischen Bogen über nahezu das gesamte 20. Jahrhundert. 1912 in die Abenddämmerung der Donaumonarchie hineingeboren, wurde er nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 zum „Kaiser ohne Reich“. Das Habsburg-Gesetz verbannte ihn ins Exil, doch verstand er sich weiterhin als politisch Verantwortlicher für Österreich und Mitteleuropa. Sein entschiedener Widerstand gegen den Nationalsozialismus zeigt sich deutlich in seinem Brief an Bundeskanzler Schuschnigg im Februar 1938, in dem Otto von Habsburg anbot, das Kanzleramt zu übernehmen, um das Land vor dem Nationalsozialismus zu schützen.

Die Jahre des Exils in Belgien, Frankreich und den USA prägten sein Denken nachhaltig. Nach 1945 wandelte sich Otto vom Thronfolger zum überzeugten Europäer. Die ‚Reichsidee‘ deutete er zunehmend nicht mehr als monarchische Staatsform, sondern als übernationale Ordnungsfunktion: er hat den Anspruch auf Führung mit dem Schutz von Freiheit und Recht verbunden. Mit der Verzichtserklärung auf alle Thronansprüche von 1961 ebnete er den Weg zur Versöhnung mit der Republik Österreich; der spätere Handschlag mit Bruno Kreisky, Bundeskanzler der Republik Österreich symbolisierte diesen Neubeginn.

Deutschland wurde später zu seiner politischen Basis, insbesondere durch die enge Zusammenarbeit mit der CSU und sein Mandat im Europäischen Parlament (1979–1999). In Spanien und Portugal wirkte er in christlich-konservativen Netzwerken, während Ungarn eine besondere Rolle einnahm in seinem Leben – historisch wie geopolitisch.

Geistig blieb Otto von Habsburg immer im christlichen Abendland verwurzelt. Europa war für ihn weit mehr als ein Binnenmarkt – es war eine Wertegemeinschaft, gegründet auf Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und kultureller Kontinuität. Die Europäische Union erschien ihm als historische Antwort auf Nationalismus, Krieg und ideologische Spaltung. Am Ende stand – und steht – jedoch die zentrale Frage: Was würde Otto von Habsburg heute zur Europäischen Union sagen? Erfüllung seiner Vision oder Mahnung, Mut, Verantwortung und geistige Grundlagen Europas nicht zu vergessen?

Das große Interesse des Publikums zeigte sich in einer engagierten Fragerunde; der Abend klang in persönlichen Gesprächen mit dem Referenten und Moderator aus.