Am 28. April 2026 fand in Nyíregyháza eine Fachdiskussion mit Vortrag statt, die gemeinsam vom Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit und dem MCC-Bildungszentrum in Nyíregyháza organisiert wurde. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag unseres Gastdozenten Dr. Lasse B. Lassen mit dem Titel „Vom Abendland nach Europa – Das Wirken von Otto von Habsburg zwischen München, Brüssel, Wien, Madrid und Budapest“, in dem er das Leben und Werk von Otto von Habsburg sowie dessen wichtigste Erkenntnisse zur Zukunft Europas vorstellte. An der Veranstaltung nahmen etwa 20 Interessierte teil.
Im Laufe des Abends erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die gedankliche Entwicklung von Otto von Habsburg sowie in den Prozess, in dessen Verlauf ein Thronfolger aus monarchischem Umfeld zu einem der prägenden Denker der europäischen Einheit des 20. Jahrhunderts wurde. Der Vortrag stellte Otto von Habsburgs Lebensweg in chronologischer Reihenfolge dar: von seiner Rolle als Erbe der Habsburger Monarchie über die prägenden Erfahrungen der Weltkriege und des Exils bis hin zu seiner politischen Tätigkeit, in der er sich konsequent für christlich-konservative Werte und die europäische Zusammenarbeit einsetzte. Besondere Aufmerksamkeit wurde im Vortrag auch der Wandlung seines Staatsverständnisses gewidmet: Die Idee des „Reiches“ interpretierte er zunehmend als eine supranationale Ordnung, die der Sicherung von Frieden und Rechtsstaatlichkeit dient. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in das politische und geistige Erbe der Habsburger. Für ihn war Europa weit mehr als eine Wirtschaftsgemeinschaft: Er betrachtete es als eine Wertegemeinschaft, die auf Menschenwürde, Freiheit und kultureller Kontinuität beruht. Der Vortrag warf zugleich aktuelle Fragen auf, insbesondere im Zusammenhang damit, wie seine Gedanken im Kontext der heutigen Europäischen Union zu verstehen sind.
In Beantwortung der Fragen aus dem Publikum erklärte Lassen, dass die historischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts die Konflikte Ungarns mit den Habsburgern im 19. Jahrhundert in den Hintergrund gedrängt hätten. Die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Emigration gezwungene ungarische Opposition war vielmehr daran interessiert, im Westen Fürsprecher für die Sache der ungarischen Souveränität und Demokratisierung zu gewinnen. In Bezug auf eine andere Frage erklärte er, dass Habsburg bis zu seiner Rücktrittserklärung von 1961 von Zeit zu Zeit zu verstehen gab, dass er die Wiederherstellung der Monarchie in Österreich für möglich halte und dies auch als Ziel beibehielt. Nach seiner offiziellen Abdankung wandelte sich bei Otto von Habsburg die Idee des Kaiserreichs und des Reiches jedoch in die Unterstützung einer (pano-)europäischen Konföderation, deren Ziel es war, die Bürger vor den zu Übergriffen neigenden Nationalstaaten zu schützen.