Am 29. April 2026 fand im MCC-Bildungszentrum in Békéscsaba vor 22 Zuhörern der Vortrag von Dr. Lasse B. Lassen, Visiting Fellow des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit, statt, dessen Schwerpunkt auf der Geschichte der Ungarn und Kubaner lag, die vor dem Kommunismus in die USA flohen.
Der Vortrag stellte die Geschichte jener Ungarn und Kubaner vor, die in den 1950er und 1960er Jahren vor der kommunistischen Unterdrückung flohen, und beleuchtete die Ursachen, Hintergründe sowie Folgen der Migration aus den beiden Ländern. Er ging auf die historische Entwicklung Ungarns und Kubas, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein und analysierte zudem die langfristigen Auswirkungen der Auswanderung sowie die Entwicklung der entstandenen Gemeinschaften bis in die Gegenwart.
Im Falle Ungarns ist es besonders wichtig, die Auswanderung in die Vereinigten Staaten nach der Niederschlagung des Freiheitskampfes von 1848–49 hervorzuheben: Insgesamt entschieden sich etwa 700.000 Ungarn, sich in der Neuen Welt niederzulassen. Die ersten nennenswerten Gemeinschaften entstanden in den 1850er Jahren, vor allem im Bundesstaat Ohio, insbesondere in der Stadt Cleveland. Nach den Ereignissen der Revolution von 1956, der sowjetischen Invasion und den darauffolgenden kommunistischen Repressalien kann man bereits eindeutig von einer politisch motivierten Emigration sprechen. Nach der Niederschlagung der Revolution verließen fast 200.000 Menschen das Land, was eine der bedeutendsten Auswanderungswellen der ungarischen Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellte. Die ausgewanderten Ungarn gründeten zahlreiche Vereine, um ihre Sprache und Kultur zu bewahren, und die Flüchtlinge von 1956 spielten eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung der amerikanisch-ungarischen Beziehungen.
In seinem Vortrag zog Lassen Parallelen zwischen der ungarischen Auswanderung und einem anderen bedeutenden amerikanischen Migrationsprozess, der kubanischen Emigration. Die ersten kubanischen Auswanderer flohen bereits Ende des 19. Jahrhunderts nach Florida, wo sie sich vor allem in Key West und Tampa niederließen und unter anderem Zigarrenfabriken gründeten. Eine prägende Figur der kubanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts war José Martí, Dichter, Schriftsteller und Freiheitskämpfer, der als geistiger Vater der kubanischen Unabhängigkeit gilt. Er setzte sich aktiv für die Interessen seines Landes ein – und verlor 1895, bei Ausbruch der kubanischen Revolution, sein Leben. Der Unabhängigkeitskampf löste eine bedeutende Migrationswelle in Richtung der Vereinigten Staaten aus, deren Teilnehmer hauptsächlich politische Flüchtlinge waren, die vor gewaltsamen Repressalien nach Florida flohen. Eine weitere große Flüchtlingswelle setzte in den 1960er Jahren nach Fidel Castros Machtübernahme ein. Auch damals war Florida, insbesondere das nahegelegene Key West, das Hauptziel. In dieser Zeit verließen vor allem Angehörige der Mittelschicht und der Intelligenz – etwa 250.000 Menschen – Kuba.
Auf eine Frage aus dem Publikum – die sich auf den Alltag und die Strapazen der ungarischen Einwanderer bezog – antwortete Lassen, dass sich die Haupttätigkeit der in der Gemeinschaft agierenden kommunistischen Agenten darauf beschränkte, die ungarischen Einwanderer zu demoralisieren. Das Ziel sei es gewesen, die Vereinigten Staaten als neue Heimat so unattraktiv wie möglich darzustellen. Auf eine weitere Frage hin erklärte er, dass sich die ungarische Gemeinschaft schnell in den Arbeitsmarkt integriert habe. Darüber hinaus hätten Amerikaner ungarischer Herkunft herausragende Leistungen in den Bereichen Physik und Medizin erbracht.