Der Wahlsieg des Sozialdemokraten Gerhard Schröder über Amtsinhaber Helmut Kohl 1998 markierte die bis dahin schärfste politische Zäsur der deutschen Bundesrepublik. Über Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit dem Tisza-Erdrutschsieg von 2026 in Ungarn.

 

„Liebe Freunde, zunächst danke ich Ihnen allen […] an einem Abend, der ja ein schwieriger Abend ist.“ Obwohl sehr ähnlich im Tenor, sind dies nicht etwa die Worte des scheidenden ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán nach der Wahlniederlage seiner Fidesz-KDNP-Koalition am 12. April 2026, sondern von dessen deutschen Amtskollegen Helmut Kohl, der am 27. September 1998 nach 16 Jahren im Amt ebenfalls eine schmerzhafte Wahlniederlage kassierte. Orbán und Kohl verband eine lange politische Freundschaft. Fidesz und die deutschen Unionsparteien waren 2000–2021 in der EVP verbunden. Orbán war der letzte ausländische Staatsgast, der Kohl im April 2016 in dessen Wohnung in Ludwigshafen besuchte und bei dessen Beerdigung am 1. Juli 2017 im Kreise der engsten Weggefährten eine Trauerrede auf den „Kanzler der Einheit“ hielt.

In der Bundesrepublik ein Novum: Der Komplett-Machtwechsel von 1998

In Deutschland stellte die Bundestagswahl 1998 nach fast 40 Jahren Bundesrepublik ein absolutes Novum dar. Zuvor waren Regierungswechsel stets durch den Seitenwechsel des Koalitionspartners erfolgt. Nach der Bundestagswahl 1969 war die SPD aus der Großen Koalition mit CDU/CSU ausgestiegen und konnte mit FDP-Unterstützung Willy Brandt ins Kanzleramt bringen. 1982 hatte die FDP die Seiten gewechselt, SPD-Kanzler Helmut Schmidt gestürzt und Helmut Kohl per konstruktivem Misstrauensvotum ins Amt befördert. In den darauffolgenden Wahlen 1972 und 1983 wurde der Machtwechsel dann von den Wählern bestätigt. 1998 hatten sich die Bundesbürger erstmals dezidiert gegen die Regierung ausgesprochen.

Ähnlich wie Orbán vor zwei Wochen („Das Wahlergebnis ist für uns schmerzhaft, aber eindeutig. Die Verantwortung und die Möglichkeit zu regieren, wurden uns nicht übertragen.“) gestand Kohl noch am Wahlabend ein: „Der Wähler hat völlig eindeutig entschieden. Ich wünsche ihm [Herausforderer Gerhard Schröder], wenn er in dieses Amt kommt, eine glückliche Hand für unser Land.“ Kohl übernahm Verantwortung und trat für die nächste Wahl des Parteivorsitzenden nicht mehr an, sein Nachfolger wurde Wolfgang Schäuble. Anders als Orbán, der jüngst sein Parlamentsmandat zurückgab, blieb Kohl allerdings für die gesamte Wahlperiode weiter Bundestagsabgeordneter, auch wenn er am Parlamentsalltag nicht mehr teilnahm.

Ein Erdrutschsieg wie derjenige der deutschen Sozialdemokraten am 27. September 1998 oder der Tisza-Partei am 12. April 2026 verändert das Land. Er bringt alte Gewissheiten ins Wanken und zwingt die neue Regierungsmannschaft wie die alten Machthaber zur Neuorientierung und Selbstvergewisserung. Insofern kann das deutsche Beispiel von 1998 auch lehrreich für die kommenden Monate und Jahre in Ungarn sein, wobei es neben Gemeinsamkeiten natürlich auch starke Diskrepanzen in der Ausgangslage und den politischen Lagern gab und gibt.

Die Schwäche der Amtsinhaber: Wirtschaft, Wahlkampagne, Müdigkeit der Jugend

Auch wenn die Analyse für die Fidesz-Niederlage noch andauert, so lässt sich in Grundzügen bereits skizzieren, welche Faktoren zu der verheerenden Wahlniederlage Orbáns beigetragen haben. Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten innerhalb der letzten vier Jahre; eine missglückte Fidesz-Wahlkampagne, die vor allem auf alte Erfolge aufbaute („Fidesz – die sichere Wahl“) und Feindbilder bediente (Magyar, Selenskyj, Brüssel) sowie eine besonders in der jungen Generation verbreitete Orbán-Müdigkeit färbten die Wahlkarte am 12. April in Tisza-Hellblau.

Im Deutschland des Jahres 1998 sorgte man sich weniger um schwindende Kaufkraft als um die steigende Arbeitslosigkeit, die 1996 erstmals die 4-Millionen-Marke überschritten hatte. Besonders angespannt war die Situation im Osten des Landes, wo der Strukturwandel eine Arbeitslosenquote von 17 % verursacht hatte. Zwar hatte die Regierung aus Unionsparteien und FDP mit einer Steuerreform sowie einer Reform zur Senkung der Lohnnebenkosten versucht, die Konjunktur anzukurbeln, doch scheiterten diese an dem vom SPD-Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine orchestrierten Widerstand der SPD-geführten Bundesländer im Bundesrat.

Auch in Deutschland wurde Helmut Kohl nach 16 Jahren als lame duck angesehen. War es Kohl im Zuge der Wiedervereinigung im Oktober 1990 gelungen, den Nimbus des „Kanzlers der Einheit“ zu nutzen und bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 mit 43,8% ein starkes Ergebnis einzufahren, so sah die Lage acht Jahre später gänzlich anders aus. Schon im Oktober 1997 hatte Kohl klar gemacht, dass dies seine letzte Amtszeit würde und den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden und „ewigen Kronprinzen“ Wolfgang Schäuble explizit zu seinem Nachfolger erklärt. Orbán beließ es bei nebulösen Zweideutigkeiten: Ohne ein Wort zu sagen holte er auf der zentralen Fidesz-Wahlkampfveranstaltung am Nationalfeiertag 15. März mit Außenminister Péter Szijjártó und Verkehrsminister János Lázár zwei potenzielle Nachfolger zu sich auf die Bühne und gab zugleich das ambitionierte Ziel von 3 Millionen Stimmen aus.

Die CDU betonte 1998 mit Plakatslogans wie „Weltklasse für Deutschland,“ „Keep Kohl!“ und „Sicherheit statt Risiko“ – ähnlich dem Fidesz-Motto von 2026 – Sicherheit und Zuverlässigkeit der Regierungskoalition. Das Schreckensbild, das die Unionsparteien an die Wand malten, war dagegen eine Koalition aus SPD und Grünen mit der SED-Nachfolgepartei PDS. Schon 1994 hatte CDU-Generalsekretär Peter Hintze eine „rote Socken“-Kampagne gefahren, die vor einer Regierungsbeteiligung der PDS warnte. Tatsächlich regierte in Sachsen-Anhalt seit Mitte 1994 eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der PDS toleriert wurde. 1998 druckte die CDU-Wahlplakate, die den sozialistisch-brüderlichen Handschlag von SPD und PDS zeigten und zur Vorsicht aufriefen („Aufpassen Deutschland!“). Die SPD plakatierte im Gegenzug die „roten Socken“ der Unionskampagne von 1994 erneut und schrieb darunter: „Worauf Sie sich bei der CDU verlassen können: immer dieselbe Politik, immer dieselbe Reklame, keine neuen Ideen.“

Parvenus und Hoffnungsträger: Die Herausforderer Schröder und Magyar

In Ihrer Plakatkampagne setzte die SPD gänzlich auf die Strahlkraft ihres Spitzenkandidaten Gerhard Schröder. Der niedersächsische Ministerpräsident, der mit 54 Jahren deutlich jünger und fotogener als sein Gegenspieler Kohl daherkam, lächelte von SPD-Plakaten herab, die verkündeten: „Deutschland braucht einen neuen Kanzler.“ Ähnlich wie Péter Magyar in Ungarn umgab Schröder der Schein des Unverbrauchten, Frischen, Neuen. Zudem versuchten beide Herausforderer einen gemäßigten Mitte-Kurs zu fahren. Während Magyar als Ex-Fidesz-Mitglied ein Wahlprogramm veröffentlichte, das im Wesentlichen an Kernforderungen der Orbán-Regierung festhielt, wollte die SPD 1998 mit einem Programm unter dem Motto „Arbeit, Innovation und Gerechtigkeit“ ähnlich wie die CDU die Wirtschaft durch eine Senkung der Einkommenssteuer ankurbeln. Dies sollte allerdings durch klassisch linke Maßnahmen wie die Besteuerung von Privatvermögen gegenfinanziert werden. Dennoch nahm die SPD für sich während des Wahlkampfes in Anspruch die „neue Mitte“ zu verkörpern.

Sehr stark unterschieden sich Schröder und Magyar in ihrem Werdegang. Denn während der ungarische Ministerpräsident in spe erst 2024 die 2021 in Eger gegründete Tisza-Partei übernahm und damit eine völlig neue Parteikonstellation innerhalb kürzester Zeit zum Sieg führte, diente sich Schröder in der SPD mühsam nach oben. Als Sohn einer auf staatliche Fürsorge angewiesenen Kriegswitwe, der die Mittlere Reife und das Abitur an der Abendschule nachholte, kam Schröder von „ganz unten.“ Nach Absolvierung des juristischen Staatsexamens begann der lange Gang durch die Institutionen: So war Schröder 1978 Bundesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, 1980 Bundestagsabgeordneter, 1990 Landesvorsitzender der SPD Niedersachsen, 1994 Ministerpräsident in Niedersachsen, 1998 dann SPD-Kanzlerkandidat.

Verbindendende Elemente zwischen Magyar und Schröder sind das nassforsche Auftreten und ein unkonventionelles Privatleben. Während Magyar im Überschwang der Wahlnacht den Rücktritt des Staatspräsidenten Tamás Sulyok sowie u. a. der Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, des Verfassungsgerichts und der Medienbehörde als „Marionetten von Orbán“ einforderte, ist Schröders nächtliches Rütteln am Zaun des Bundeskanzleramtes mit den Worten „Ich will da rein!“ schon zu Juso-Zeiten mythenumwittert. Während Magyars Trennung von seiner Frau, der einstigen Justizministerin Judit Varga, für medialen Wirbel sorgte, war Schröder als viermal verheirateter Kanzler ein Novum für die als spießig geltende Bonner Republik. Schröder wusste sich in der Wahlnacht indes zu mäßigen und sprach Amtsinhaber Helmut Kohl als „erwartet harte[m] Gegner“ seinen Respekt aus.

Unerfahrenheit und Flügelkämpfe: Die Herausforderungen der neuen Regierung

Die rot-grüne Regierung startete 1998 mit großen Schwierigkeiten in die erste Amtszeit. Ein Hauptkonfliktfeld sollten die innerparteilichen Querelen zwischen Kanzler Schröder und Parteichef Lafontaine sein. Letzterer hatte lange Zeit als Hoffnungsträger der SPD gegolten, war dem „Kanzler der Einheit“ bei der Bundestagswahl 1990 allerdings klar unterlegen. Im Wahlkampf 1994 positionierten sich Lafontaine und Schröder als Unterstützter von SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping in Form einer Troika. Nach Scharpings Wahlniederlage entriss Lafontaine diesem den Parteivorsitz 1995 per Kampfabstimmung. Nun einigte man sich folgendermaßen: Der gemäßigte Schröder wurde als Kanzlerkandidat aufgestellt, der Linksaußen Lafontaine behielt den Parteivorsitz und wurde Finanzminister im Schattenkabinett. „Zwischen uns beide passt kein Blatt Papier,“ versprach Lafontaine noch im Wahlkampf. Es sollte anders kommen.

Kaum war das Kabinett gebildet, begannen die Grabenkämpfe. Lafontaine setzte sich vom Finanzministerium aus für höhere Löhne und Sozialabgaben ein. Schröder intervenierte gegen den wirtschaftsfeindlichen Kurs seines Parteikollegen, der die deutsche Börse auf Talfahrt brachte und unterband insbesondere Lafontaines Bemühungen, die Bundesbank zu niedrigen Zinsen zu bewegen. Am 11. März 1999 schmiss Lafontaine hin, verzichtete auf Finanzministerium, Parteivorsitz und Bundestagsmandat. Der Riss zwischen Schröder und Lafontaine sollte die SPD langfristig entzweien. 2005 trat Lafontaine im Protest gegen Schröders Reformprogramm „Agenda 2010“ aus der SPD aus und der „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ (WASG) bei, die sich zwei Jahre später mit der PDS zu „Die Linke“ vereinigte. Diese erschloss der extremen Linken erstmals Stimmen im Westen und schwächt die SPD bis heute. Seit 2011 ist Lafontaine mit Sahra Wagenknecht, Chefin der Linke-Abspaltung BSW (gegründet 2024), liiert.

Auch im Kabinett Magyar könnten Flügelkämpfe entstehen. Zwar entschied sich dieser für Wirtschaftsexperten – den ehemaligen Shell Executive István Kapitány sowie den ehemaligen Fidesz-Staatssekretär András Kármán – für die Schlüsselressorts Wirtschaft und Finanzen. Doch wird sich das Zusammenspiel mit dem Parteilinken Ruff Bálint als Leiter der Staatskanzlei – auch in Bezug auf die Erwartungshaltung der linken Tisza-Wähler – spannend gestalten. Während der designierte Ministerpräsident Magyar in seiner üblich provokanten Art Selfie-Videos mit dem abgewählten Orbán auf dem Balkon der Ministerpräsidentenresidenz im Hintergrund ins Netz stellte und andeutete, Orbán wolle vor der Steuerfahndung in die USA fliehen, machte sich Schröder mit großspuriger Eigen-PR unmöglich. Mit Fotos, die ihn in italienischen Anzügen der Marke Brioni und kubanische Zigarren rauchend in Hochglanz-Magazinen zeigten, machte sich Schröder als „Genosse der Bosse“ viele SPD-Stammwähler zum Feind. Es bleibt abzuwarten, wie diplomatisch und taktvoll sich Magyar in den nächsten Monaten verhalten wird.

Die Last der Vergangenheit: Die Herausforderungen der neuen Opposition

Schon Anfang 1999 galt Rot-Grün als abgewirtschaftet. Neben den Querelen innerhalb der SPD war insbesondere der Wahlsieg der CDU bei der für Rot-Grün als sicher geglaubten Hessen-Wahl im Februar 1999 ein Desaster für die neue Regierungskoalition. Ende des Jahres brauten sich jedoch dunkle Wolken über der CDU zusammen. Im November 1999 erließ das Amtsgericht Augsburg einen Haftbefehl gegen den ehemaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep. Dieser sollte eine Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber von eine Million DM für die CDU erhalten und nicht versteuert haben. Wenige Tage später räumte der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ein, die Union habe „schwarze Konten“ illegaler Parteispenden geführt. Dies bestätigte Kohl in einem Fernsehinterview und sprach von 2,1 Millionen DM verdeckter Parteispenden, wobei er sich unter Berufung auf sein Ehrenwort gegenüber den Spendern weigerte, diese offenzulegen.

Die CDU-Spendenaffäre zog immer weitere Kreise, der Bundestag richtete einen Untersuchungsausschuss ein, einzelne Spender wurden offengelegt. Zwar hatte die Affäre für die Hauptbeteiligten Kiep, Kohl und den neuen Parteivorsitzenden Schäuble nur geringe rechtliche Folgen, dafür umso größere für die Reputation der CDU und ihres Spitzenpersonals. Kohl musste im Jahr 2000 seinen Ehrenvorsitz abtreten, Schäuble trat im gleichen Jahr vom Partei- und Fraktionsvorsitz zurück. Nun stiegen zwei junge Abgeordnete auf, deren Rivalität die CDU für die nächsten Jahrzehnte prägen sollte. Generalsekretärin Angela Merkel übernahm den Parteivorsitz, Schäubles Stellvertreter Friedrich Merz den Fraktionsvorsitz. Nachdem Merkel Merz den Fraktionsvorsitz im Zuge der Bundestagswahl 2002 entriss, gelang es Merz, der 2009 die Politik für eine Karriere in der Wirtschaft verließ, 2022 im dritten Versuch gegen innerparteiliche Rivalen zum Parteivorsitzenden aufzusteigen. Während Merkel 2005 knapp gegen Schröder siegte und das Kanzleramt für 16 Jahre innehatte, steht Merz aktuell im zweiten Jahr seiner Kanzlerschaft.

In Bezug auf Fidesz lehrt die Parteispendenaffäre der CDU, wie sehr Altlasten aus der langen Regierungszeit eine ehemalige Machtmaschine wie die Union aber auch Fidesz in der Zukunft durcheinanderwirbeln können. Langzeit-Regierungs- und Parteichefs können einen massiven Reputationsverlust und den kompletten politischen Absturz erleben. Sollten der Fidesz ähnliche Skandale in puncto Finanzmissbrauch oder Amtsanmaßung, wie Magyar es aktuell ostentativ ankündigt, ins Haus stehen, lohnt es sich schon jetzt, auf die zweite und dritte Reihe der Partei zu achten, um junge Hoffnungsträger und zukünftige Macher zu erkennen. Teilweise können diese Prozesse – wie im Fall Merkel als ostdeutsche Frau – ungewöhnliche Karrieren beflügeln oder – wie im Fall Merz – ein langer, an Niederlagen reicher Weg sein.

Fazit: Der Machtwechsel in Deutschland 1998 und die Lehren für Ungarn 2026

Die politischen Akteure in Ungarn 2026 sind gänzlich anders als diejenigen in Deutschland im Jahr 1998. So ist die ideologisch uneindeutige Parteineugründung Tisza kaum mit der deutschen Sozialdemokratie als ältester Partei Deutschlands vergleichbar, während die CDU niemals wie Fidesz mit absoluter oder gar Zweidrittelmehrheit regieren konnte, sondern stets auf einen Koalitionspartner angewiesen war. Doch gibt es Ähnlichkeiten zwischen den Problemen der träge gewordenen Amtsinhaber Helmut Kohl und Viktor Orbán. Auch die salopp und anmaßend auftretenden Herausforderer Gerhard Schröder und Péter Magyar, die zugleich durch den von ihnen propagierten Mittekurs ein gewisses Maß an Kontinuität versprachen, weisen bei genauerer Betrachtung einige Ähnlichkeiten zueinander auf.

In den nächsten Monaten wird es vor allem darauf ankommen, ob es der neuen Regierung gelingt, ihr uneinheitliches Personal und ihre ideologisch diverse Wählerschaft zu einen, oder ob ihr Flügelkämpfe und Abspaltungen bevorstehen, wie dies bei der SPD durch das Zerwürfnis zwischen Schröder und Lafontaine der Fall war. Umgekehrt wird sich bei der Fidesz die Frage stellen, ob es ihr gelingt, Altlasten der Vergangenheit zu überwinden und sich personell neu aufzustellen, um „wieder laufen zu lernen,“ wie Merkel in Bezug auf die langsame Trennung der Union von ihrem langjährigen Vorsitzenden und Kanzler Kohl in einem FAZ-Gastbeitrag von 1999 forderte. Der komplette Neuanfang nach 16 Jahren der Machtausübung war für die CDU eine besondere Herausforderung, gleiches dürfte im Jahr 2026 auch für die Fidesz in Ungarn gelten.