Am 8. März 2026 hat das Deutsch-Ungarische Institut für Europäische Zusammenarbeit im MCC Scruton anlässlich der Landtagswahlen in Baden-Württemberg einen Wahlabend organisiert, an dem mehr als 70 Gäste teilnahmen. Im bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich außerordentlich starken, in den vergangenen Jahren jedoch in einer Krise steckenden Bundesland durften etwa 7,7 Millionen Bürger an die Urne gehen. Die Besonderheit der Wahl bestand zum einen darin, dass 2026 als „Superwahljahr“ in Deutschland gilt, da fünf Landtagswahlen und in drei Bundesländern Kommunalwahlen stattfinden. Zum anderen wurde in Baden-Württemberg zum ersten Mal das vor Kurzem angenommene neue Wahlgesetz angewandt, laut dem auch 16-Jährige bereits beim Fest der Demokratie teilnehmen durften. So gab es dieses Jahr etwa 650.000 Erstwähler.
Die Veranstaltung wurde von der Moderatorin Petra Szalontai, Projektkoordinatorin des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit, eröffnet. Bence Bauer, Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit, Zoltán Kiszelly, Direktor für politische Analyse beim Századvég Wissenszentrum und Dr. Ágoston Mráz, Direktor des Nézőpont Instituts analysierten danach die Wahlkampagne, die Aussichten der Parteien und die nach und nach eintreffenden Ergebnisse.
Im Gespräch vor der Betrachtung der Exit Polls waren sich die Experten einig, dass es sich um eine besonders wichtige Wahl handelt, da sie die erste Runde des „Superwahljahres“ ist, was den Grundton für die weiteren Wahlen sein könnte wie die Wahl am 22. März in Rheinland-Pfalz oder die Landtagswahlen im Osten im September. Sie diskutierten auch über die Arbeit und das Vermächtnis des nach 15 Jahren abdankenden, deutschlandweit ersten grünen Ministerpräsidenten, Winifried Kretschmann, sowie über seine Tätigkeit in der Kampagne neben Cem Özdemir, dem Ministerpräsidentenkandidaten der Grünen. Die Deutschland-Experten analysierten auch den in den letzten Wochen der Kampagne entstandenen Sexismus-Skandal rund um Manuel Hagel, dem Ministerpräsidentenkandidaten der CDU, und sprachen auch darüber, welche Wirkung dieser auf die sich ändernde Meinungsumfrage hatte. Darüber hinaus stellten sie die wichtigsten Änderungen des in diesem Parlamentszyklus geänderten Wahlgesetzes und dessen Auswirkungen auf das Endergebnis vor. Sie nahmen auch die Stärkung der AfD in Baden-Württemberg und die erneuten Einzugschancen der FDP unter die Lupe.
Im zweiten Teil der Podiumsdiskussion stellten die drei Experten fest, dass es keine großen Überraschungen in Anbetracht der Meinungsumfragen vor den Wahlen gab. Dies wurde auch von ihren Schätzungen bezüglich der Prozentanteile der Parteien, die sie vor dem Bekanntwerden der Exit Polls abgaben, unterstützt. Alle drei Experten haben die Zahlen, die später während der Übertragung zu sehen waren, ziemlich genau getroffen. Bauer, Mráz und Kiszelly waren sich danach einig, dass der nächste Ministerpräsident von Baden-Württemberg mit Sicherheit Cem Özdemir heißen wird und alles andere nur Wunschdenken ist.
In Kenntnis der Ergebnisse analysierten sie auch die Koalitionsoptionen im Bundesland, beziehungsweise deren politische Chancen. Sie sprachen auch darüber, welche Auswirkungen die Wahlen in Baden-Württemberg in erster Linie auf die Position und Macht von Kanzler Friedrich Merz (CDU), sowie auf die Arbeit der Bundesregierung haben könnten. Sie erklärten außerdem, dass die aktuellen Wahlen zwar tatsächlich den Grundton für die kommenden Wahlen vorgeben könnten, jedoch bei den Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern im September mit einem politischen Erdrutsch zu rechnen sei.
Die Veranstaltung endete mit Fragen aus dem Publikum an die Experten, beispielsweise zur Genauigkeit der deutschen Exit Polls und zu den Auswirkungen des historisch schlechtesten Ergebnisses der SPD auf die Bundespolitik.