Unter dem Titel „Inside Tagesschau“ veröffentlichte der Journalist Alexander Teske Anfang 2025 sein Buch, das die Entscheidungsprozesse und Machtkämpfe hinter der „Tagesschau“, der meistgesehenen und prestigeträchtigsten Nachrichtensendung des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, beleuchtet. Am 26. Mai 2026 sprach Teske darüber in Budapest, im Café Scruton des MCC, bei einer Veranstaltung des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit. Das anschließende Gespräch moderierte Boris Kálnoky, Leiter der MCC-Medienschule.

 

Die Veranstaltung wurde von Bence Bauer, dem Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts eröffnet. Er betonte, dass die „Tagesschau“ seit Jahrzehnten als wichtigste Nachrichtensendung Deutschlands gelte und für Millionen Menschen ein Symbol seriöser und objektiver Berichterstattung sei. Kaum ein anderes Medium beeinflusse die öffentliche Meinungsbildung in Deutschland in vergleichbarem Maße – sowohl im Fernsehen als auch zunehmend auf digitalen Plattformen und in sozialen Medien. Bauer fügte hinzu, dass in einer Zeit, in der Vertrauen in die Medien und politische Polarisierung intensiv diskutiert würden, eine kritische Auseinandersetzung mit journalistischen Strukturen gesellschaftlich immer wichtiger werde. Deshalb sei die Frage besonders relevant, wie Nachrichten entstehen, wer über gesendete Themen entscheidet und welche Dynamiken innerhalb großer Medienhäuser wirken – insbesondere bei einem öffentlich-rechtlichen Sender mit einer derart großen Reichweite und Einflusskraft.

In seinem Vortrag erklärte Teske, dass die 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ durchschnittlich 9,5 Millionen Zuschauer erreiche. Diese Zahl liegt jedoch deutlich unter der Online-Reichweite: Auf der Plattform TikTok erzielten die Videos der Redaktion durchschnittlich bis zu 72 Millionen Aufrufe. Darüber hinaus übte Teske mehrfach Kritik an der Arbeitsweise des Senders. Er sprach unter anderem die grundlegende Struktur der Redaktion, den politischen Einfluss beziehungsweise die „Drehtür in die Politik“ sowie die Tendenz an, bei bestimmten Themen zugunsten möglichst schneller Berichterstattung auf fachliche Expertise zu verzichten. Außerdem beklagte er, dass Ostdeutschland in der Berichterstattung der ARD gewissermaßen einen „blinden Fleck“ darstelle, nicht nur hinsichtlich der behandelten Inhalte und statistischer Repräsentation, sondern auch sprachlich: Der Gebrauch von Dialekten, die gerade in ostdeutschen Bundesländern besonders stark verbreitet seien, werde in den Sendungen untersagt – im Gegensatz zu anderen Dialekten. Trotz aller Kritik unterstrich Teske, dass Reformen innerhalb der ARD zwar notwendig seien, die Nachrichtensendung selbst jedoch unverzichtbar bleibe und die internen Probleme behoben werden könnten.

Im anschließenden moderierten Gespräch wurde auch das Verhältnis zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien thematisiert. Alexander Teske erklärte hierzu unter anderem, dass im öffentlich-rechtlichen Rundfunk tatsächlich nicht derselbe Geschwindigkeitsdruck herrsche wie in privaten Medien, ein Bereich, aus dem Moderator Boris Kálnoky stammt, wo häufig der Zwang bestehe, möglichst als Erster zu berichten. Den Abschluss des Abends bildeten Fragen aus dem Publikum. Auf eine Frage zur Zukunft des Journalismus und zur künstlichen Intelligenz antwortete Teske, dass es Journalismus und Nachrichtenvermittlung schon lange vor der heutigen technologischen Entwicklung gegeben habe. Noch sei jedoch unklar, in welchem Ausmaß künstliche Intelligenz künftig, falls überhaupt, die Arbeit von Journalisten ersetzen werde.