Am 13. Mai 2026 hielt der Althistoriker Prof. Dr. Egon Flaig im MCC-Bildungszentrum Budapest einen Vortrag über das Verhältnis von antiker und moderner Freiheit und beleuchtete dabei die ideengeschichtlichen Grundlagen des Liberalismus sowie aktuelle politische Herausforderungen. Die Veranstaltung wurde vom Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit organisiert und von Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll moderiert.

 

Zu Beginn führte Bence Bauer, Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts, in die Thematik des Abends ein. Im Mittelpunkt stand die bis heute prägende Unterscheidung zwischen antiker und moderner Freiheit. Während die Freiheit der Antike häufig ausschließlich als politische Teilhabe verstanden werde, gelte die Moderne als Ursprung individueller Freiheitsrechte. Bauer stellte jedoch die Frage, ob diese Gegenüberstellung historisch tatsächlich haltbar sei. Gerade angesichts aktueller Debatten über politische Mitbestimmung und individuelle Selbstbestimmung gewinne die historische Reflexion über den Freiheitsbegriff neue Aktualität.

Im Zentrum des Vortrags stand die These, dass die liberale Tradition die antike Freiheit missverstanden habe. Flaig argumentierte, dass bereits Aristoteles zwischen politischer und individueller Freiheit unterschieden habe. Politische Freiheit bedeutete demnach die Teilhabe der Bürger an den Entscheidungen des Gemeinwesens, während individuelle Freiheit als das Recht verstanden wurde, „zu leben, wie man will“, sofern dies innerhalb der Gesetze und sozialen Normen der Polis geschehe. Für die antiken Griechen habe dabei kein Widerspruch zwischen individueller und politischer Freiheit bestanden. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Auseinandersetzung mit Benjamin Constant, einem der Gründungsväter des kontinentalen Liberalismus. Flaig kritisierte dessen Gegenüberstellung von antiker und moderner Freiheit und warnte vor einem Liberalismus, der politische Freiheit zugunsten radikaler Individualisierung vernachlässige. Eine Gesellschaft, die Freiheit ausschließlich als private Selbstverwirklichung verstehe, verliere langfristig ihren Gemeinsinn und damit die Grundlage demokratischer Ordnungen. Vor diesem Hintergrund plädierte Flaig für eine Rückbesinnung auf die republikanischen Grundlagen der Freiheit. Demokratie könne nur dort dauerhaft bestehen, wo Bürger bereit seien, sich politisch einzubringen und Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.

In der anschließenden Diskussion vertiefte Frank-Lothar Kroll zentrale Aspekte des Vortrags. Dabei wurden unter anderem die Bedeutung politischer Gleichheit, die Rolle gesellschaftlicher Bindungen sowie die Aktualität antiker Freiheitsvorstellungen für moderne Demokratien diskutiert. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Frage nach dem Verhältnis von individueller und politischer Freiheit keineswegs nur ein historisches Thema ist. Vielmehr berührt sie grundlegende Probleme moderner Demokratien und gehört damit zu den zentralen politischen Debatten der Gegenwart.